WIR FEIERN BAYERN / Stein-Hanel GmbH
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Das Audiofile zur Stein-Hanel GmbH

70 Jahre Steinmetztradition

Fashionlabel für Grabsteine weist in die Zukunft

Ein Grabstein auf dem roten Teppich? Swarovski-Kristalle am Gottesacker? Für Alexander Hanel sind das keine Widersprüche. Der Steinmetz möchte einer gewandelten Begräbniskultur Rechnung tragen und weg vom „Grau auf dem Friedhof“. „Kein Produkt ist so emotional und persönlich, wie ein Grabstein. Mit ihm gedenke ich einer verstorbenen geliebten Person. Entsprechend individuell sollte er gestaltet sein“, ist Hanel überzeugt. Bei der Entwicklung von Konzepten, um diesen Anspruch umzusetzen, besann er sich auf Bekanntes. Was lag für den erfolgreichen Ex-Musiker und Boss eines Plattenlabels näher, als sich von der ihm bekannten Popkultur inspirieren zu lassen. Er gründete das Label Rokstyle, das erste Fashionlabel für Grabsteine. Durch das Aufbrechen traditioneller Tabus ermöglichte er die persönliche Gestaltung der Grabstätte, was den Bedürfnissen der Trauernden entgegenkommt. Mal mit Gänseblümchen, mal mit funkelnden Sternen besetzte Steine stehen in der großen In- und Outdoor-Ausstellung auf dem Firmengelände in Leutershausen, zeigen fließende Formen oder strenge Geometrie, Bronzekreuz oder Grabstein-Tattoo… Für seine Kollektionen musste er sich einsetzen, erntete aber auch viel Lob: 2017 erhielt die Stein Hanel GmbH den German Design Award Special und den German Brand Award. 2015 wurde sie mit dem Green Product Award für Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Heute sind sie über Deutschlands Grenzen, auch international erfolgreich.

Führung in Familienhand

Wegbegleiter von Alexander Hanel war Cousin Harald. Der Steinmetzmeister ist der bodenständige Part, zuständig dafür, dass in der Produktion alles läuft und Ansprechpartner für die Steinmetze in der großen Fertigungshalle. Dort befindet sich übrigens ein weiteres Teil, auf das die beiden Gesellschafter stolz sind: eine Blockkreissteinsäge mit einem Sägeblatt von 3,50 Meter Durchmesser. „Bei der Anschaffung 1987 war es die größte der Welt“, schwärmt Harald Hanel noch heute. Ihr erster Lauf? „Einer der schönsten Momente meines Berufslebens“, gibt er zu und blickt immer noch beeindruckt zu ihr auf – auch, wenn die Steine heute hauptsächlich vorgeschnitten angeliefert werden und das Ungetüm daher meistens arbeitslos ist. Sein zweitschönster Moment? Als sein Sohn beschloss, nach der kaufmännischen Ausbildung noch das Handwerk des Steinmetz zu erlernen und in die Fußstapfen der Vorfahren zu treten.

Vom Fahrrad zur industriellen Fertigung

Denn seit 1948 wird bei Hanels Stein geklopft. Als Vertriebene aus dem Sudetenland begannen der Steinmetzmeister Josef Hanel und seine beiden Söhne in einer schlichten Holzhüttenwerkstatt. Erstes Fortbewegungsmittel: ein Fahrrad. 1951 durch ein Zündapp-Motorrad ersetzt. Bis heute ist das Unternehmen fest in Familienhand. Die Söhne – und Tochter – wurden Steinmetze, die Ehefrauen der Hanels führten bis Mitte der 80er Jahre das Büro. Hatte man zunächst auch noch Treppen, Fensterbänke oder Küchenarbeitsplatten im Portfolio, spezialisierten sich die Hanels 2006 ganz auf Grabsteine. 2013 wurde die Marke Rokstyle aus der Taufe gehoben. „Es bedeutet uns beiden sehr viel, dass wir das, was unsere Väter begonnen haben, gut genutzt und ausgebaut haben“, versichern die Cousins angesichts des 70-jährigen Firmenjubiläums.

Am Stein bleiben

Alles für den Grabstein also? Nicht ganz. Denn ein weiteres Geschäftsfeld möchten Harald und Alexander Hanel nicht missen: die Denkmäler. So konnten sie im Oktober 2011 in Gars am Kamp ihr Falco-Denkmal präsentieren. Im Mai 2015 wurde zum 115. Geburtstag „ihres Clubs“ dessen Gedenkstein aus der Leutershausener Werkstatt enthüllt – ein weiteres FCN-Denkmal ist übrigens gerade im Entstehen – und im Berliner Thomas-Dehler Haus steht eine Genscher-Büste aus dem mittelfränkischen Unternehmen.

Um die Zukunft also ist Alexander und Harald Hanel nicht bange: „Die Pyramiden im Hinterkopf – das Steinmetzhandwerk ist eines der ältesten der Welt. Das funktioniert noch länger“, versichert Alexander Hanel lachend. Und Harald Hanel ergänzt: „Wir werden am Stein bleiben. Auch, wenn wir heute noch nicht wissen, was wir in 20 Jahren vielleicht damit machen werden.“

www.stein-hanel.de